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Plusquamperfekt im Deutschunterricht – die Vorvergangenheit unterrichten

Das Plusquamperfekt unterrichten – so gelingt die Vorvergangenheit

Nina Bergmann

Veröffentlicht am 08.04.2026

Zuletzt atkualisiert am 08.04.2026

    Was ist das Plusquamperfekt – und warum braucht es eine eigene Zeitform?

    „Nachdem sie die Hausaufgaben gemacht hatte, spielte sie draußen.“ „Er hatte den Brief bereits abgeschickt, als das Telefon klingelte.“ Wer solche Sätze liest, begegnet dem Plusquamperfekt – der Vorvergangenheit oder auch 3. Vergangenheitsform. Es beschreibt Handlungen, die zeitlich vor einer anderen vergangenen Handlung abgeschlossen waren.

    Genau das ist die Kernfunktion des Plusquamperfekts: Es ordnet Ereignisse in der Vergangenheit in eine zeitliche Reihenfolge. Ohne diese Zeitform würde im Deutschen zwischen zwei vergangenen Ereignissen keine klare Hierarchie bestehen – Leser und Zuhörer wüssten nicht, was zuerst geschah. Wer literarische Texte analysiert oder eigene komplexe Erzählungen verfasst, kommt am Plusquamperfekt nicht vorbei. Es ist die Zeitform, die Tiefe in Erzählstrukturen bringt.

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    Ab welcher Klasse wird das Plusquamperfekt unterrichtet?

    Das Plusquamperfekt folgt in der didaktischen Progression nach Präteritum und Perfekt – und das aus gutem Grund: Wer es verstehen will, muss beide Vorgänger sicher beherrschen.

    • Klasse 3 (optional): Gelegentliche erste Erwähnung im Rahmen der Zeitformen-Übersicht; keine systematische Regelarbeit.
    • Klasse 5–6: Einführung des Plusquamperfekts als eigenständige Zeitform in der Sekundarstufe; Schüler lernen Bildungsregel und grundlegende Verwendung im Kontext von Erzähltexten.
    • Klasse 7–8: Vertiefung und bewusster Einsatz in der Textproduktion; das Plusquamperfekt wird in komplexen Satzgefügen mit nachdem, bevor und als geübt.
    • Klasse 9 und höher: Sicherer Einsatz in der Textanalyse und beim Verfassen eigener Texte; das Plusquamperfekt als stilistisches Mittel in literarischen Texten erkennen und bewerten.

    Wie wird das Plusquamperfekt gebildet?

    Das Plusquamperfekt ist eine zusammengesetzte Zeitform aus zwei Teilen: dem Präteritum von haben oder sein und dem Partizip II des Hauptverbs.

    Grundstruktur: hatte/war + Partizip II

    ichhatte … gelesenwar … gefahren
    duhattest … gelesenwarst … gefahren
    er/sie/eshatte … gelesenwar … gefahren
    wirhatten … gelesenwaren … gefahren
    ihrhattet … gelesenwart … gefahren
    sie/Siehatten … gelesenwaren … gefahren

    Die Wahl zwischen haben und sein folgt denselben Regeln wie beim Perfekt: Verben mit Bewegung und Ortsveränderung oder Zustandswechsel (fahren, einschlafen, sterben) werden mit war/waren gebildet, alle anderen mit hatte/hatten.

    Da Schüler die Hilfsverbwahl bereits vom Perfekt kennen, kann hier gut an bestehendes Wissen angeknüpft werden. Der entscheidende Unterschied: Beim Perfekt steht haben/sein im Präsens, beim Plusquamperfekt im Präteritum (hatte/war).


    Wann wird das Plusquamperfekt verwendet?

    Die zentrale Funktion des Plusquamperfekts ist die Vorzeitigkeit – es beschreibt, was bereits geschehen war, bevor etwas anderes in der Vergangenheit stattfand. Es tritt fast immer in Verbindung mit dem Präteritum auf und ist selten ohne diesen Bezug sinnvoll:

    „Sie hatte das Buch bereits gelesen, bevor der Film herauskam.“ → Erst das Lesen (Plusquamperfekt), dann der Film (Präteritum).

    „Nachdem er gegessen hatte, machte er einen Spaziergang.“ → Erst das Essen (Plusquamperfekt), dann der Spaziergang (Präteritum).

    „Er erkannte die Stadt nicht wieder, denn sie hatte sich sehr verändert.“ → Die Veränderung (Plusquamperfekt) liegt vor dem Erkennen (Präteritum).

    Besonders die Konjunktionen nachdem, bevor, als, weil und da sind typische Begleiter des Plusquamperfekts in Satzgefügen. Das Einüben dieser Verknüpfungen ist ein zentrales Unterrichtsziel ab Klasse 5.


    Signalwörter für das Plusquamperfekt

    Signalwörter helfen Schülern, die Zeitform im Text zu erkennen und gezielt einzusetzen:

    nachdem, bevor, als, zuvor, vorher, bereits, schon, bis dahin, noch nie, damals schon, kaum dass

    Besonders nachdem ist ein fast sicheres Zeichen für das Plusquamperfekt im Nebensatz. Als Merkhilfe eignet sich die Regel: „Nach nachdem steht das Plusquamperfekt.“


    Plusquamperfekt vs. Perfekt vs. Präteritum: Die Abgrenzung

    Eine der häufigsten Herausforderungen im Unterricht ist die Verwechslung der drei Vergangenheitsformen. Diese Übersicht hilft zur Einordnung:

    ZeitformBeispielZeitebene
    PräteritumSie öffnete die Tür.Vergangene Handlung
    PerfektSie hat die Tür geöffnet.Vergangene Handlung mit Gegenwartsbezug
    PlusquamperfektSie hatte die Tür geöffnet.Handlung, die vor einer anderen vergangenen Handlung abgeschlossen war

    Der entscheidende Unterschied zwischen Perfekt und Plusquamperfekt liegt im Hilfsverb: hat/haben beim Perfekt, hatte/hatten bzw. war/waren beim Plusquamperfekt. Diese scheinbar kleine Abweichung trägt eine große inhaltliche Bedeutung und sollte im Unterricht explizit kontrastiert werden.


    Das Plusquamperfekt in der Textproduktion und Textanalyse

    Ab Klasse 5 begegnet das Plusquamperfekt Schülern zunehmend in literarischen Texten, Kurzgeschichten und Erzählungen. Autoren nutzen es bewusst, um Zeitebenen zu staffeln, Rückblenden einzuleiten oder Vorgeschichten zu erzählen. Wer das Plusquamperfekt sicher erkennt, versteht die Erzählstruktur eines Textes deutlich besser.

    In der eigenen Textproduktion ermöglicht das Plusquamperfekt komplexere, reifere Erzählweise. Statt einfacher Sätze in einer einzigen Vergangenheitsebene können Schüler Ereignisse in eine zeitliche Hierarchie bringen – ein wichtiger Schritt hin zu sprachlich anspruchsvolleren Aufsätzen.

    Typische Übungsaufgaben für die Sekundarstufe:

    1. Zwei vorgegebene Sätze im Präteritum zu einem nachdem-Satz mit Plusquamperfekt verbinden
    2. Texte analysieren und alle Plusquamperfekt-Formen markieren und ihre Funktion erklären
    3. Eine kurze Geschichte schreiben, in der ein Rückblick in die Vorvergangenheit eingebaut wird
    4. Sätze vom Perfekt ins Plusquamperfekt übertragen und den Bedeutungsunterschied beschreiben

    Differenzierung: Das Plusquamperfekt für alle Lernniveaus

    • Grundlegendes Niveau: Einfache Sätze mit vorgegebenen Verben im Plusquamperfekt bilden; hatte und war als Hilfsverben korrekt einsetzen; Lückentexte mit Hilfestellung.
    • Mittleres Niveau: Zwei Sätze im Präteritum mit nachdem zum Plusquamperfekt-Satzgefüge verbinden; Plusquamperfekt in kurzen Texten erkennen und markieren; Abgrenzung zum Perfekt üben.
    • Erweitertes Niveau: Eigene Kurzgeschichten mit bewusstem Einsatz von Plusquamperfekt und Präteritum verfassen; Rückblenden analysieren; die Funktion des Plusquamperfekts in literarischen Texten schriftlich begründen.

    Für DaZ-Schüler empfiehlt sich ein besonders kleinschrittiger Einstieg über Satzpaare: Zuerst zwei einfache Präteritum-Sätze, dann deren Verknüpfung mit nachdem und Umformung ins Plusquamperfekt. Klare Visualisierungen der zeitlichen Abfolge – etwa als Zeitstrahl – unterstützen das Verständnis der Vorzeitigkeit erheblich.


    Praxistipps: So gelingt der Einstieg ins Plusquamperfekt

    • Zeitstrahl als Einstieg: Zwei vergangene Ereignisse auf einer Zeitachse einzeichnen – Schüler sehen sofort, welches zuerst stattfand, und verstehen intuitiv, warum dafür eine eigene Zeitform nötig ist.
    • An das Perfekt anknüpfen: „Ihr kennt schon hat gelesen – jetzt ersetzen wir hat durch hatte.“ Dieser einfache Schritt macht die strukturelle Verwandtschaft beider Zeitformen sichtbar und nimmt den Schülern die Angst vor dem neuen Thema.
    • Rückblenden in bekannten Texten suchen: Schüler analysieren eine bekannte Kurzgeschichte auf Rückblenden – wo springt der Text in eine frühere Vergangenheit? Welche Zeitform wird dabei verwendet?
    • Fehleranalyse nutzen: Texte mit absichtlich falsch gesetztem Perfekt statt Plusquamperfekt – Schüler erklären, warum die Bedeutung sich verändert, und korrigieren.

    Mein Fazit

    Das Plusquamperfekt ist die Zeitform, bei der ich am häufigsten erlebe, dass Schüler einen echten Aha-Moment haben. Wenn sie zum ersten Mal verstehen, dass Sprache zwei verschiedene Vergangenheitsebenen unterscheiden kann – und dass das einen realen Unterschied in der Bedeutung macht – ist das ein wichtiger Schritt im Sprachbewusstsein. Der Einstieg über den Zeitstrahl hat sich für mich als unschlagbar erwiesen: Zwei Ereignisse, eine Linie, und plötzlich ist klar, warum wir das Plusquamperfekt brauchen. Was dann noch fehlt, ist viel Übung mit nachdem-Sätzen – und differenziertes Material, das unterschiedliche Niveaus bedient.

    Nina Bergmann

    Redakteur/in

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