Ein Arbeitsheft ist mehr als eine Sammlung von Aufgaben. Es ist ein Lernort, der einladen soll, der neugierig macht und der Schüler dort abholt, wo sie stehen. Illustrationen spielen dabei eine größere Rolle, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Beim Kohl Verlag haben wir dafür einen Grundsatz, der unsere gesamte Bildauswahl leitet: „Das Auge lernt mit.“
Aber was bedeutet das konkret? Und wie entscheiden wir, welches Bild in welches Heft kommt? Ein Blick hinter die Kulissen.
Warum Illustrationen so wichtig sind
Arbeitsblätter ohne Bilder wirken schnell textlastig, und das hemmt die Motivation, besonders bei jüngeren Schülern. Deshalb unterscheiden wir beim Kohl Verlag grundsätzlich zwischen zwei Arten von Illustrationen.
Die erste Art lockert ein Arbeitsblatt auf, macht es lebendiger und ansprechender, ohne direkt inhaltlich notwendig zu sein. Die zweite Art ist eng mit dem Text verbunden und trägt aktiv zum Verständnis bei. Ein Bild, das einen biologischen Vorgang zeigt oder eine historische Szene darstellt, ist kein Schmuck, sondern ein Lernwerkzeug.
Mit steigendem Alter der Zielgruppe verändert sich auch der Stil der Illustrationen. In der Grundschule setzen wir bewusst auf kindgerechte, bunte und neugierig machende Bilder. In der Sekundarstufe werden die Illustrationen ruhiger, sachlicher und informativer. Schüler sollen lernen, Informationen nicht nur aus Texten, sondern auch aus Bildern zu entnehmen und zu verstehen.
Wie die Auswahl konkret abläuft
Der Autor eines Heftes hat beim Kohl Verlag grundsätzlich ein wichtiges Mitspracherecht bei der Bildauswahl. Er schlägt Illustrationen vor, die der zuständige Redakteur dann auf inhaltliche und stilistische Eignung prüft. Diese Vorschläge dienen häufig als Diskussionsgrundlage, aus der heraus die finale Bebilderung in enger Zusammenarbeit entsteht.
Eingebaut wird ein Bild erst dann, wenn sich Autor und Redakteur einig sind. Dabei spielen nicht nur Inhalt und Stil eine Rolle, sondern auch Datenschutz und Urheberrecht. Kein Bild landet in einem unserer Hefte, das diese Voraussetzungen nicht erfüllt.
Unsere erste Anlaufstelle bei der Suche ist die Bildagentur Adobe Stock. Autoren wählen dort passende Motive aus, die wir in der Redaktion erwerben und einbauen. Ergänzend nutzen wir gelegentlich Illustrationen von Clipart.com oder Wikipedia-Bilder mit eindeutig gesicherter Urheberschaft. Und wenn trotz intensiver Suche kein passendes Bild gefunden wird? Dann bleibt das Arbeitsblatt ohne Illustration. Eine unpassende Bebilderung kommt für uns nicht in Frage.
Das wachsende Problem mit KI in Fototheken
Wer heute bei Adobe Stock nach Illustrationen sucht, wird zunehmend auf KI-generierte Bilder stoßen, ob man will oder nicht. Viele Anbieter nehmen diese Inhalte verstärkt in ihr Sortiment auf, oft ohne sie auf den ersten Blick als solche kenntlich zu machen.
Beim Kohl Verlag filtern wir KI-generierte Bilder bei der Suche in Adobe Stock aktiv heraus. Die Plattform bietet hierfür eine eigene Option. Der Grund ist einfach: KI-Bilder aus Fototheken durchlaufen keinen eigenen Qualitätscheck unsererseits in der Entstehung, und die Qualität schwankt erheblich. Nur wenn sich unter den nicht-KI-Bildern wirklich nichts Passendes findet, ziehen wir diese Option in Betracht, und prüfen dann besonders sorgfältig.
Wann der Kohl Verlag selbst KI-Tools einsetzt
Es gibt Situationen, in denen weder Stockmaterial noch externe Illustratoren das liefern können, was ein Heft braucht. Ein gutes Beispiel sind kindgerechte Darstellungen historischer Gruppen, also Römer, Ägypter oder Griechen, die für Grundschulkinder ansprechend und altersgerecht aufbereitet sind. Solche sehr spezifischen Illustrationen waren vor dem Einsatz von KI-Tools kaum zu finden und konnten oft nur als Kompromiss gelöst werden.
Hier bietet KI einen echten Mehrwert. Sie ermöglicht es, zielgerichtete Illustrationen zu erstellen, die nicht nur inhaltlich passen, sondern auch einen einheitlichen Stil durch ein gesamtes Themenheft halten. Das schafft Wiedererkennungswert für die Kinder und hebt die visuelle Qualität spürbar an.
Allerdings setzen wir KI-Bildtools nur dort ein, wo Stockmaterial und externe Illustratoren nicht weiterhelfen. Es ist kein Standardwerkzeug, sondern eine gezielte Ergänzung.
Gut und schlecht: Was KI kann und was nicht
KI-generierte Illustrationen sind nicht per se schlechter als andere. Aber sie haben spezifische Schwachstellen, die man kennen muss, um sie zu erkennen. Das folgende Beispiel zeigt den Unterschied deutlich.

Auf den ersten Blick wirkt diese Illustration ansprechend. Die Figuren sind kindgerecht gezeichnet, die Farben lebendig, die Szene wirkt stimmig. Erst bei genauerer Betrachtung fallen die Fehler auf, und genau das macht sie so tückisch.
Da wäre zunächst das Trinkglas auf dem Tisch: ein modernes Kristallglas, wie man es heute in jedem Haushalt findet, aber nicht in der Antike. Im Hintergrund ist eine Hängebrücke zu sehen, eine Ingenieursleistung des 19. Jahrhunderts. Daneben erhebt sich eine osmanische Moschee, ein Bauwerk, das erst Jahrhunderte nach Alexander dem Großen entstanden ist. Und im Obstkorb liegt neben Weintrauben und Granatäpfeln eine Gurke, Gemüse, das in einem Obstkorb schlicht nichts zu suchen hat.
Keiner dieser Fehler springt sofort ins Auge. Zusammen aber vermitteln sie Schülern ein historisch falsches Bild, ohne dass diese es bemerken würden. Genau das ist das Problem, wenn KI-Illustrationen ohne sorgfältige Prüfung eingesetzt werden.

Diese Illustration zeigt, was KI leisten kann, wenn sie gezielt und mit sorgfältiger Prüfung eingesetzt wird. Der Hintergrund ist neutral gehalten, es gibt keine ablenkenden oder anachronistischen Elemente. Die beiden Figuren sind klar erkennbar, ihre Kleidung historisch plausibel und kindgerecht dargestellt. Der Stil ist konsistent und ruhig, genau das, was Schüler beim Lernen brauchen: eine Illustration, die das Thema unterstützt, ohne es zu verfälschen.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Bildern liegt nicht in der Technologie selbst. Beide wurden mit KI erstellt. Der Unterschied liegt im Prozess dahinter: im bewussten Hinschauen, im historischen Wissen der Prüfenden und in der Bereitschaft, ein Bild abzulehnen, das auf den ersten Blick gut aussieht, aber inhaltlich nicht stimmt.
Wie wir Illustrationen prüfen
Jede Illustration, ob aus einer Agentur, von einem externen Illustrator oder mit KI erstellt, durchläuft beim Kohl Verlag mehrere Prüfstationen.
Nach Einreichung des Manuskripts übernimmt ein Redakteur die erste inhaltliche und bildliche Prüfung. Nach der Freigabe durch Redakteur und Autor prüft der Setzer die Bilder erneut, nicht nur auf Druckqualität, sondern auch auf inhaltliche Richtigkeit und Schülereignung. Anschließend kehrt das Werk in die Redaktion zurück, bevor der Autor eine PDF-Version zur Korrektur erhält. Nach seiner Freigabe folgt das Lektorat, das Orthografie, Textinhalt und Bebilderung nochmals prüft. Den Abschluss bildet die finale Kontrolle durch die Redaktionsleitung.
Absolute K.O.-Kriterien bei Illustrationen sind unpassende, geschmacklose oder inhaltlich fehlerhafte Darstellungen sowie Verstöße gegen Datenschutz und Urheberrecht. Kein Bild, das auch nur eines dieser Kriterien verletzt, findet den Weg in ein Heft des Kohl Verlags.
Unser Anspruch
Illustrationen sind kein Beiwerk. Sie sind ein fester Bestandteil des Lernprozesses, und wir nehmen ihre Auswahl entsprechend ernst. Ob Stockfoto, externe Zeichnung oder KI-generiertes Bild, entscheidend ist nicht die Quelle, sondern die Qualität und die Sorgfalt im Umgang damit.
Das schulden wir den Lehrkräften, die unsere Hefte einsetzen, und den Schülern, die damit lernen.


