Die direkte und indirekte Rede gehört zu den zentralen Grammatikthemen des Deutschunterrichts in der Sekundarstufe I. Während die direkte Rede, auch wörtliche Rede genannt, bereits in Klasse 5 eingeführt wird, folgt die komplexere indirekte Rede in Klasse 6. Beide Redeformen sind für Schüler von grundlegender Bedeutung, da sie in nahezu allen Textsorten vorkommen – von Erzählungen über Berichte bis hin zu Inhaltsangaben und journalistischen Texten.
Für Lehrkräfte stellt dieses Thema eine didaktische Herausforderung dar: Die direkte Rede erscheint zunächst einfach, doch viele Schüler kämpfen mit der korrekten Zeichensetzung und der Großschreibung nach den Redezeichen. Die indirekte Rede wiederum erfordert das sichere Beherrschen des Konjunktivs I und II – ein grammatisches Phänomen, das selbst in höheren Klassenstufen immer wieder Schwierigkeiten bereitet.
Direkte Rede: Grundlagen für Klasse 5 und 6
Die direkte Rede kennzeichnet sich durch die wörtliche Wiedergabe dessen, was eine Person gesagt hat. Sie wird durch Anführungszeichen markiert und enthält stets einen Begleitsatz, der angibt, wer spricht.
Zentrale Merkmale der direkten Rede:
- Anführungszeichen unten („) am Anfang und oben („) am Ende
- Doppelpunkt vor der wörtlichen Rede, wenn der Begleitsatz voransteht
- Großschreibung am Anfang der wörtlichen Rede
- Satzzeichen der wörtlichen Rede stehen vor dem schließenden Anführungszeichen
- Begleitsatz kann vor, nach oder in der Mitte der wörtlichen Rede stehen
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Typische Fehlerquellen, die Lehrer im Blick haben sollten:
Viele Schüler vergessen die Großschreibung nach den Anführungszeichen oder setzen das Komma falsch, wenn der Begleitsatz nachgestellt ist. Besonders tückisch ist die Stellung des Begleitsatzes in der Mitte der wörtlichen Rede – hier passieren häufig Zeichensetzungsfehler. Ein strukturierter Übungsaufbau hilft: Beginnen Sie mit einfachen Beispielen, bei denen der Begleitsatz immer voransteht, und steigern Sie die Komplexität schrittweise.
Indirekte Rede: Die Königsdisziplin ab Klasse 6
Die indirekte Rede gibt das Gesagte nicht wörtlich wieder, sondern berichtet darüber. Sie verzichtet auf Anführungszeichen, benötigt aber den Konjunktiv I (ersatzweise Konjunktiv II oder die würde-Form), um deutlich zu machen, dass es sich um eine wiedergegebene Aussage handelt.
Bildung der indirekten Rede:
Die Umformung von direkter in indirekte Rede erfordert mehrere Schritte:
- Entfernung der Anführungszeichen und des Doppelpunkts
- Einleitung mit „dass“ bei Aussagesätzen oder mit Fragewörtern bei Fragen
- Anpassung der Pronomen (aus „ich“ wird „er/sie“, aus „mein“ wird „sein/ihr“)
- Verwendung des Konjunktivs I – hier liegt die größte Herausforderung
- Anpassung der Zeitangaben (aus „heute“ wird „an jenem Tag“, aus „morgen“ wird „am nächsten Tag“)
Der Konjunktiv I – die zentrale Hürde:
Der Konjunktiv I wird aus dem Verbstamm der 1. Person Plural Präsens gebildet und erhält spezifische Endungen. Entscheidend für Schüler ist zu verstehen, dass der Konjunktiv I nur dann verwendet wird, wenn er sich eindeutig vom Indikativ unterscheidet. Ist die Form identisch mit dem Indikativ, wird auf den Konjunktiv II ausgewichen. Und wenn auch dieser nicht eindeutig ist, nutzt man die würde-Ersatzform.
Didaktische Hinweise für den Unterricht
Schritt-für-Schritt-Methode:
Führen Sie die indirekte Rede nicht in einem Durchgang ein, sondern arbeiten Sie mit kleinen Portionen. Beginnen Sie mit der Umformung einfacher Aussagesätze im Präsens, bevor Sie zu Fragen und komplexeren Zeitformen übergehen. Visualisierungen helfen: Eine Tabelle mit den Konjunktiv-I-Formen der wichtigsten Verben sollte im Klassenzimmer hängen.
Häufige Stolpersteine vermeiden:
Schüler verwechseln oft „dass“ und „das“ in der indirekten Rede. Erklären Sie deutlich: Nach dem Begleitsatz folgt bei Aussagesätzen immer die Konjunktion „dass“ mit Doppel-s. Bei Fragesätzen entfällt das „dass“, stattdessen beginnt der indirekte Fragesatz mit dem Fragewort („ob“, „wer“, „was“, „wann“ etc.).
Differenzierung nach Leistungsniveau:
Leistungsstarke Schüler können bereits in Klasse 6 komplexe Satzgefüge in der indirekten Rede bewältigen, während schwächere Schüler mehr Zeit für die Grundlagen benötigen. Arbeitsblätter mit gestuften Aufgaben – vom Ankreuzen der richtigen Konjunktivform bis zur eigenständigen Umformung ganzer Dialoge – ermöglichen individuelles Lerntempo.
Praxistipps für lebendigen Grammatikunterricht
- Dialogarbeit: Lassen Sie Schüler kurze Dialoge verfassen und diese dann in indirekte Rede umwandeln. Das schafft Alltagsbezug.
- Zeitungsartikel analysieren: Zeigen Sie, wie Journalisten die indirekte Rede nutzen, um Aussagen von Politikern oder Experten wiederzugeben.
- Mündliches Üben: Lassen Sie Schüler mündlich berichten, was ein Mitschüler gesagt hat – so wird die indirekte Rede lebendig.
- Fehleranalyse: Sammeln Sie typische Fehler aus Klassenarbeiten und besprechen Sie diese gemeinsam, ohne Namen zu nennen.
Warum ist dieses Thema so wichtig?
Die sichere Beherrschung von direkter und indirekter Rede ist nicht nur eine formale Anforderung des Lehrplans. Schüler benötigen diese Kompetenz spätestens ab Klasse 7, wenn Inhaltsangaben geschrieben werden – hier ist die indirekte Rede zwingend erforderlich. Auch in Berichten, Reportagen und Nacherzählungen müssen Schüler zwischen beiden Redeformen wechseln können. Langfristig legt dieses Thema den Grundstein für wissenschaftliches Schreiben, bei dem die neutrale Wiedergabe von Quellen essenziell ist.
Besonders in heterogenen Klassen empfiehlt sich ein spiralförmiges Curriculum: Die direkte Rede wird in Klasse 5 eingeführt, die indirekte Rede folgt in Klasse 6, und in den Klassen 7 und 8 erfolgt eine kontinuierliche Vertiefung und Anwendung in unterschiedlichen Kontexten.











