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Inhaltsangabe schreiben im Deutschunterricht

Die wichtigste Aufsatzform von Klasse 5 bis zum Abitur

Nina Bergmann

Veröffentlicht am 06.01.2026

Zuletzt atkualisiert am 06.01.2026

    Die Inhaltsangabe ist eine der zentralen Schreibformen im Deutschunterricht, die Schüler von der Mittelstufe bis zum Abitur begleitet. Sie bildet die Grundlage für zahlreiche weitere Textformen wie Interpretationen, Erörterungen und Analysen. Wer das Verfassen einer Inhaltsangabe beherrscht, verfügt über eine Schlüsselkompetenz, die im gesamten schulischen und beruflichen Werdegang von Bedeutung ist.

    Was ist eine Inhaltsangabe und warum ist sie so wichtig?

    Eine Inhaltsangabe ist eine sachliche, komprimierte Zusammenfassung eines Textes, die es dem Leser ermöglicht, den wesentlichen Inhalt zu erfassen, ohne das Original lesen zu müssen. Im Deutschunterricht wird diese Textform ab Klasse 5 eingeführt und in den folgenden Jahren schrittweise erweitert. In Klasse 7 und 8 liegt der Schwerpunkt auf der Beherrschung aller formalen und inhaltlichen Anforderungen, während in höheren Jahrgangsstufen die erweiterte Inhaltsangabe mit Interpretationsansätzen hinzukommt.

    Die didaktische Bedeutung der Inhaltsangabe liegt vor allem darin, dass Schüler lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Diese Fähigkeit des analytischen Lesens und Denkens ist nicht nur für den Deutschunterricht relevant, sondern für alle Fächer und das spätere Berufsleben. Schüler trainieren dabei:

    • Textverständnis: Erfassen von Hauptinformationen und Nebeninformationen
    • Strukturiertes Denken: Logische Gliederung von Inhalten
    • Sprachliche Präzision: Sachlicher, klarer Ausdruck ohne überflüssige Details
    • Konzentration: Fokussierung auf das Wesentliche

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    Die wichtigsten Merkmale und formalen Anforderungen

    Beim Verfassen einer Inhaltsangabe müssen Schüler mehrere formale Kriterien beachten, die in allen Jahrgangsstufen gelten:

    Sprachliche Form:

    • Verwendung der Gegenwartsform (Präsens), auch wenn der Originaltext in der Vergangenheit geschrieben ist
    • Sachlicher, neutraler Stil ohne wertende Adjektive oder spannungserzeugende Elemente
    • Keine wörtliche Rede – stattdessen Umwandlung in indirekte Rede
    • Formulierung in eigenen Worten, keine Übernahme von Satzstrukturen aus dem Original
    • Dritte Person verwenden, auch wenn der Text aus der Ich-Perspektive erzählt wird

    Struktureller Aufbau:

    Die klassische Gliederung besteht aus drei Teilen:

    1. Einleitung: Nennung von Textsorte, Autor, Titel, Erscheinungsjahr und Thema in einem kompakten Einleitungssatz
    2. Hauptteil: Chronologische Wiedergabe der wichtigsten Handlungsschritte, Ereignisse oder Argumente
    3. Schluss: Kurze Zusammenfassung der Kernaussage (bei der erweiterten Inhaltsangabe in höheren Klassen)

    Ein typischer Einleitungssatz lautet beispielsweise: „Die Kurzgeschichte ‚Nachts schlafen die Ratten doch‘ von Wolfgang Borchert aus dem Jahr 1947 handelt von einem Jungen, der nach einem Bombenangriff bei den Trümmern seines Hauses Wache hält.“

    Didaktische Herausforderungen und häufige Fehlerquellen

    Viele Schüler haben zu Beginn Schwierigkeiten, die richtige Balance zwischen Kürze und Vollständigkeit zu finden. Zu ausführliche Inhaltsangaben, die fast so lang wie der Originaltext sind, verfehlen den Zweck ebenso wie zu knappe Zusammenfassungen, die wichtige Handlungsschritte auslassen. Hier hilft es, die W-Fragen als Orientierung zu nutzen: Wer? Was? Wann? Wo? Warum?

    Ein weiteres häufiges Problem ist die Verwendung von Spannung und dramatischen Formulierungen. Sätze wie „Plötzlich passierte etwas Schreckliches“ haben in einer Inhaltsangabe nichts zu suchen. Stattdessen sollte es heißen: „Der Protagonist wird von einem Auto angefahren.“

    Auch die Umwandlung der direkten in indirekte Rede bereitet vielen Schülern Mühe. Hier ist Übung gefragt: Aus „Er sagte: ‚Ich komme morgen'“ wird „Er sagte, dass er am nächsten Tag komme.“

    Methodische Tipps für den Unterricht

    Schritt-für-Schritt-Vorgehen: Bewährt hat sich ein strukturierter Ansatz, bei dem Schüler zunächst den Text mehrfach lesen und dabei wichtige Textstellen markieren. Anschließend erstellen sie Stichpunkte zu den wichtigsten Ereignissen, bevor sie mit dem Schreiben beginnen. Diese Vorarbeit hilft enorm, den Überblick zu behalten.

    Differenzierung nach Leistungsniveau: Für leistungsschwächere Schüler können Lückentexte oder vorformulierte Einleitungssätze als Hilfestellung dienen. Stärkere Schüler können sich an komplexeren Textsorten wie Gedichten, Dramenszenen oder Sachtexten versuchen, bei denen die Herausforderung größer ist.

    Kooperative Lernformen: Das gegenseitige Überarbeiten von Inhaltsangaben anhand von Checklisten fördert nicht nur die Schreibkompetenz, sondern auch die Bewertungskompetenz. Schüler lernen, fremde Texte kriteriengeleitet zu analysieren.

    Verschiedene Textsorten einbeziehen: Eine Inhaltsangabe zu einer Kurzgeschichte unterscheidet sich von einer Zusammenfassung eines Sachtextes. Während bei literarischen Texten die Handlung im Vordergrund steht, müssen bei Sachtexten Hauptargumente und Thesen erfasst werden. Diese Unterschiede sollten im Unterricht explizit thematisiert werden.

    Materialien und Übungsformen

    Für das Training der Inhaltsangabe eignen sich besonders Kurzgeschichten, da sie überschaubar sind und klare Handlungsstrukturen aufweisen. Texte wie „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert oder zeitgenössische Kurzgeschichten bieten sich an. Auch Fabeln, Anekdoten oder kurze Sachtexte sind gut geeignet.

    Bewährt haben sich zudem kreative Übungsformen, etwa das Schreiben von Inhaltsangaben zu Witzen oder das Verfassen von Klappentexten für Bücher. Solche Aufgaben lockern den Unterricht auf und zeigen Schülern den praktischen Nutzen dieser Textform.

    Arbeitsblätter mit konkreten Formulierungshilfen, Checklisten zur Selbstkontrolle und Bewertungsrastern unterstützen den Lernprozess. Wichtig ist dabei, dass Schüler regelmäßig Feedback zu ihren Texten erhalten und lernen, ihre eigenen Inhaltsangaben kritisch zu überarbeiten.

    Von der einfachen zur erweiterten Inhaltsangabe

    Während in den Klassen 5 bis 7 die Grundform der Inhaltsangabe im Fokus steht, wird ab Klasse 8 die erweiterte Inhaltsangabe eingeführt. Hier kommen interpretatorische Elemente hinzu: Schüler sollen nicht nur den Inhalt wiedergeben, sondern auch die Absicht des Autors herausarbeiten, Sprachliche Besonderheiten benennen oder die Wirkung auf den Leser beschreiben.

    Diese erweiterte Form bildet die Brücke zu anspruchsvolleren Textformen wie der Interpretation oder der Analyse, die in der Oberstufe zentral sind. Wer die Inhaltsangabe sicher beherrscht, hat damit ein solides Fundament für alle weiteren Aufsatzformen gelegt.

    Mein Fazit

    Die Inhaltsangabe ist mehr als nur eine Pflichtübung – sie ist ein Werkzeug, das Schülern hilft, Texte wirklich zu durchdringen. Ich erlebe immer wieder, dass Schüler anfangs überfordert sind, weil sie nicht wissen, was wichtig ist und was nicht. Mit klaren Strukturen, regelmäßiger Übung und konstruktivem Feedback gewinnen sie aber schnell Sicherheit. Besonders wichtig finde ich, dass Schüler verstehen, warum wir diese Textform üben: Sie lernen, präzise zu formulieren und komplex zu denken – Fähigkeiten, die sie ihr Leben lang brauchen werden. Mein Tipp: Lieber häufiger kürzere Texte zusammenfassen als einmal im Halbjahr eine große Klassenarbeit schreiben.

    Nina Bergmann

    Redakteur/in