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Präsens im Deutschunterricht – Zeitform der Gegenwart unterrichten

Das Präsens richtig lehren: Vom ersten Schuljahr bis zur Sekundarstufe

Nina Bergmann

Veröffentlicht am 30.03.2026

Zuletzt atkualisiert am 30.03.2026

    Was ist das Präsens – und warum ist es so grundlegend?

    Das Präsens ist die häufigste und zugleich erste Zeitform, mit der Schüler im Deutschunterricht systematisch in Berührung kommen. Als Gegenwartsform beschreibt es Handlungen, Zustände und Tatsachen, die im Moment des Sprechens gelten – oder darüber hinaus als allgemeingültig betrachtet werden. „Die Sonne scheint.“ „Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff.“ „Morgen fahren wir in den Urlaub.“ All das ist Präsens.

    Gerade weil diese Zeitform so allgegenwärtig ist, wird sie häufig unterschätzt. Im Lehrplan verankert ist das Präsens in nahezu jeder Jahrgangsstufe – von der Einführung in Klasse 1 bis hin zur gezielten Anwendung beim Verfassen von Inhaltsangaben, Berichten und Sachtexten in der Sekundarstufe. Für Lehrer bedeutet das: Das Thema begleitet sie durch die gesamte Schullaufbahn – und eine solide Grundlage in der Grundschule zahlt sich langfristig aus.


    Wann und in welchen Klassen wird das Präsens unterrichtet?

    Das Präsens ist kein einmaliges Unterrichtsthema, sondern ein roter Faden durch den gesamten Deutschunterricht:

    • Klasse 1–2: Erste Begegnung mit der Gegenwartsform im Rahmen des Schriftspracherwerbs. Schüler lernen, Verben in einfachen Sätzen zu verwenden, ohne die Zeitform begrifflich benennen zu können.
    • Klasse 3–4: Systematische Einführung der Zeitformen. Das Präsens wird als Gegenwartsform explizit benannt, von Vergangenheitsformen abgegrenzt und durch Konjugationsübungen gefestigt.
    • Klasse 5–6: Wiederholung und Vertiefung im Kontext der Grammatik (regelmäßige, unregelmäßige und starke Verben). Das Präsens wird zunehmend im Zusammenhang mit Textproduktion geübt.
    • Klasse 7 und höher: Anwendung in der Textanalyse und beim Verfassen von Inhaltsangaben – denn diese werden grundsätzlich im Präsens geschrieben.

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    Die Verwendung des Präsens – mehr als nur „jetzt“

    Ein häufiges Missverständnis im Unterricht: Schüler denken, das Präsens beschreibe nur das, was gerade jetzt passiert. Tatsächlich deckt diese Zeitform mehrere Funktionen ab, die im Unterricht klar vermittelt werden sollten:

    1. Gegenwärtige Handlungen: „Er liest gerade ein Buch.“
    2. Allgemeingültige Aussagen und Fakten: „Die Erde dreht sich um die Sonne.“
    3. Wiederholende oder gewohnheitsmäßige Handlungen: „Jeden Dienstag hat er Schwimmtraining.“
    4. Zukünftige Ereignisse, die bereits feststehen: „Nächsten Freitag beginnen die Ferien.“
    5. Historisches Präsens (ab Sekundarstufe): Vergangene Ereignisse werden dramatisch im Präsens erzählt, um sie lebendiger wirken zu lassen.

    Besonders Punkt 4 und 5 sorgen in vielen Klassen für Verwirrung. Es lohnt sich, diese Verwendungsweisen gezielt und mit konkreten Alltagsbeispielen einzuführen.


    Konjugation im Präsens: Wo die typischen Fehler entstehen

    Die Bildung des Präsens folgt grundsätzlich einem klaren System: Der Infinitivstamm wird um die Personalendungen -e, -st, -t, -(e)n, -t, -(e)n ergänzt. In der Praxis begegnen Lehrer jedoch regelmäßig denselben Schwierigkeiten:

    Regelmäßige (schwache) Verben wie lernen oder kaufen bereiten den meisten Schülern wenig Probleme. Anders sieht es aus bei:

    • Starken Verben mit Stammvokalwechsel: lesen → du liest, fahren → er fährt. Hier hilft kein Schema – die Formen müssen durch Übung verinnerlicht werden.
    • Verben mit Besonderheiten im Stamm: Endet der Stamm auf -d oder -t, wird ein -e- eingefügt (du wartest, er redet). Endet er auf -s, , -x oder -z, fällt das -s der 2. Person Singular weg (du tanzt).
    • Die Ausnahmen haben und sein: Diese unregelmäßigen Verben müssen separat eingeführt und intensiv geübt werden.

    Tipp für den Unterricht: Konjugationstabellen als visuelle Anker helfen, aber erst durch das regelmäßige Einsetzen in Satzkontexte verankert sich das Wissen wirklich. Kopiervorlagen mit differenzierten Aufgaben – von der einfachen Lückentextübung bis zur freien Textproduktion – ermöglichen dabei eine gezielte Förderung auf verschiedenen Lernniveaus.


    Differenzierung: So meistern alle Schüler das Präsens

    Heterogene Klassen stellen Lehrer beim Thema Zeitformen vor besondere Aufgaben. Bewährte Differenzierungsansätze:

    • Für leistungsschwächere Schüler: Konjugationstabellen als Hilfestellung bereitstellen; mit regelmäßigen Verben beginnen; Satzanfänge vorgeben.
    • Für den Mittelbau: Gemischte Übungen mit regelmäßigen und unregelmäßigen Verben; kurze Texte in die Gegenwartsform übertragen.
    • Für leistungsstarke Schüler: Eigene kurze Texte im Präsens verfassen; Verwendungsweisen bewusst variieren (z. B. Zukunft im Präsens); Fehlertexte analysieren und korrigieren.

    Für DaZ-Schüler ist das Präsens oft die erste Zeitform, die im Deutschen systematisch erworben wird. Klare Strukturen, Signalwörter (jetzt, gerade, heute, immer) und handlungsbegleitendes Sprechen unterstützen den Spracherwerb gezielt.


    Signalwörter als Orientierungshilfe

    Signalwörter helfen Schülern dabei, die passende Zeitform zu erkennen. Typische Signalwörter für das Präsens sind:

    jetzt, gerade, im Moment, heute, zurzeit, immer, oft, manchmal, jeden Tag, normalerweise, morgen (bei feststehenden Terminen)

    Das Einüben dieser Signalwörter – etwa durch Sortierübungen oder das Unterstreichen in Texten – ist eine bewährte Methode, um das Erkennen und Anwenden der Zeitform zu festigen.


    Das Präsens in der Textproduktion: Anwendung ab der Sekundarstufe

    Spätestens in Klasse 5 und 6 begegnet das Präsens Schülern in einem neuen Kontext: der Textproduktion. Inhaltsangaben, Vorgangsbeschreibungen und Sachtexte werden grundsätzlich im Präsens verfasst – ein Grundsatz, der im Unterricht ausdrücklich thematisiert werden sollte, da viele Schüler hier instinktiv in die Vergangenheitsform wechseln.

    Gezielte Übungen, bei denen Texte konsequent in das Präsens übertragen werden, bereiten Schüler auf Aufsatzformen und Prüfungsaufgaben vor. Arbeitsblätter, die genau diesen Transfer trainieren, leisten hier wertvolle Unterstützung – besonders wenn sie lehrplankonform aufgebaut und direkt im Unterricht einsetzbar sind.

    Mein Fazit

    Das Präsens ist die Zeitform, die Schüler zwar unbewusst beherrschen, sobald sie sprechen – aber bewusst anwenden und systematisch erklären können sie sie oft lange nicht. Ich erlebe immer wieder, dass schon ein gut strukturiertes Arbeitsblatt mit klaren Regeln und abgestuften Übungen den Unterschied macht. Besonders in heterogenen Klassen zahlt sich differenziertes Material aus: Wenn leistungsschwächere Schüler einen sicheren Einstieg finden und leistungsstarke gleichzeitig herausgefordert werden, kommt wirklich jeder mit. Wer das Präsens früh solide verankert, legt den Grundstein für alle anderen Zeitformen.

    Nina Bergmann

    Redakteur/in

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