Achtung: Die Printausgabe von über 900 Arbeitsheften stark reduziert! Jetzt ansehen

Präteritum im Deutschunterricht – die Erzählvergangenheit unterrichten

So unterrichten Sie das Präteritum – von der Grundschule bis zur Sekundarstufe

Nina Bergmann

Veröffentlicht am 08.04.2026

Zuletzt atkualisiert am 08.04.2026

    Was ist das Präteritum – und warum ist es die Zeitform des Erzählens?

    Das Präteritum, auch als 1. Vergangenheitsform oder Imperfekt bezeichnet, ist die klassische Zeitform der schriftlichen Erzählung. „Er ging durch den Wald.“ „Das Mädchen öffnete die Tür.“ „Es war einmal ein König…“ – wer Geschichten schreibt, wer Märchen liest, wer Romane analysiert, begegnet dem Präteritum auf Schritt und Tritt. Es beschreibt abgeschlossene Handlungen und Zustände in der Vergangenheit und verleiht Texten eine distanzierte, literarische Qualität.

    Genau diese Eigenschaft macht das Präteritum zu einem der wichtigsten grammatischen Themen im Deutschunterricht. Wer es nicht beherrscht, kann weder Erzähltexte sprachlich durchdringen noch eigene Geschichten stilistisch sicher verfassen. Gleichzeitig ist das Präteritum – gerade bei unregelmäßigen Verben – eine der fehleranfälligsten Zeitformen überhaupt. Eine solide, schrittweise Einführung ab der Grundschule zahlt sich deshalb langfristig aus.

    Passende Arbeitsblätter zum Thema

    Unterrichtsvorbereitung ganz einfach!

    Lückenfüller Deutsch / Klasse 3 – P12303

    Lückenfüller Deutsch / Klasse 3 – P12303

    ab 14,49 €

    Bildungsstandard Deutsch – P10741

    Bildungsstandard Deutsch – P10741

    ab 11,99 €

    Multi-Kulti – Deutsch als Zweitsprache – Band 4: Die Zeitformen – P19030

    Multi-Kulti – Deutsch als Zweitsprache – Band 4: Die Zeitformen – P19030

    ab 10,99 €

    Die Zeitformen / Sekundarstufe – P11760

    Die Zeitformen / Sekundarstufe – P11760

    ab 14,49 €

    Deutsch? Einfach! – Deutsch als Fremdsprache II – P11355

    Deutsch? Einfach! – Deutsch als Fremdsprache II – P11355

    ab 17,49 €

    Stationenlernen Deutsch / Klasse 7 – P11757

    Stationenlernen Deutsch / Klasse 7 – P11757

    ab 15,99 €

    Die Zeiten … kurz und knapp – P15024

    Die Zeiten … kurz und knapp – P15024

    ab 14,49 €

    Bildungsstandard Deutsch / Klasse 6 – P10961

    Bildungsstandard Deutsch / Klasse 6 – P10961

    ab 11,99 €

    Grammatik-Trainer / Band 2: Deklination und Konjugation – P10808

    Grammatik-Trainer / Band 2: Deklination und Konjugation – P10808

    ab 15,99 €

    Stationenlernen Deutsch / Klasse 9 – P11997

    Stationenlernen Deutsch / Klasse 9 – P11997

    ab 19,99 €

    Ab welcher Klasse wird das Präteritum unterrichtet?

    Das Präteritum begleitet Schüler über mehrere Jahrgangsstufen – mit wachsendem Anspruch und zunehmendem Textbezug:

    • Klasse 2: Erste Begegnung mit der 1. Vergangenheitsform, vor allem beim Lesen einfacher Erzähltexte und Märchen; noch keine systematische Regelarbeit.
    • Klasse 3: Einführung des Präteritums als eigenständige Zeitform; Schüler lernen, einfache Verben im Präteritum zu bilden und den Unterschied zum Perfekt zu erkennen.
    • Klasse 4: Vertiefung und Festigung; Arbeit mit regelmäßigen und unregelmäßigen Verben; das Präteritum wird bewusst beim Verfassen eigener Erzählungen eingesetzt.
    • Klasse 5–6: Wiederholung in der Sekundarstufe; das Präteritum wird als Standardzeitform für schriftliche Erzählungen und Berichte gefestigt.
    • Klasse 7 und höher: Bewusster Einsatz in der Textproduktion und Textanalyse; Stilistik des Präteritums im Vergleich zum Perfekt; Arbeit mit literarischen Texten.

    Wie wird das Präteritum gebildet?

    Das Präteritum ist eine einfache Zeitform – anders als Perfekt oder Plusquamperfekt benötigt es kein Hilfsverb. Das Verb wird direkt konjugiert, indem der Infinitivstamm um die Präteritumendungen ergänzt wird. Dabei unterscheiden sich regelmäßige und unregelmäßige Verben grundlegend.

    Regelmäßige (schwache) Verben erhalten einen -t- Einschub zwischen Stamm und Endung:

    PersonEndungBeispiel
    ich-tesagte
    du-testsagtest
    er/sie/es-tesagte
    wir-tensagten
    ihr-tetsagtet
    sie/Sie-tensagten

    Bei unregelmäßigen (starken) Verben verändert sich der Stammvokal – die Endungen sind teilweise lautlos:

    PersonEndungBeispiel
    ichfuhr
    du-stfurhst
    er/sie/esfuhr
    wir-enfuhren
    ihr-tfuhrt
    sie/Sie-enfuhren

    Besonderheiten, die explizit unterrichtet werden sollten:

    • Endet der Wortstamm auf -d oder -t, wird bei regelmäßigen Verben ein -e- eingefügt: warten → wartete, reden → redete
    • Die Verben sein und haben bilden das Präteritum unregelmäßig und müssen gesondert eingeführt werden: sein → war, haben → hatte
    • Modalverben wie können, müssen, wollen werden im Alltag häufiger im Präteritum als im Perfekt verwendet: konnte, musste, wollte

    Starke Verben: Die größte Herausforderung im Unterricht

    Die mit Abstand häufigste Fehlerquelle beim Präteritum sind starke Verben mit Stammvokalwechsel. Schüler neigen dazu, starke Verben nach dem Muster schwacher Verben zu behandeln – ein Fehler, der sich hartnäckig hält:

    laufen → er laufte (falsch) statt er lief (richtig) schreiben → sie schreibte (falsch) statt sie schrieb (richtig) helfen → ich helfete (falsch) statt ich half (richtig)

    Diese Formen folgen keinem einheitlichen Schema – sie müssen durch wiederholtes Üben verinnerlicht werden. Wortlisten, Karteikarten und das regelmäßige Einsetzen in Sätze und Texte haben sich als besonders wirksam erwiesen. Auch das sogenannte Ablautmuster (z. B. ei → ie: schreiben – schrieb; ei → i: reiten – ritt) kann ab der Sekundarstufe als Orientierungshilfe eingeführt werden.


    Präteritum vs. Perfekt: Den Unterschied klar vermitteln

    Eine der zentralen didaktischen Aufgaben ist die Abgrenzung von Präteritum und Perfekt. Beide Zeitformen beschreiben Vergangenes – aber mit unterschiedlichem Schwerpunkt und unterschiedlicher stilistischer Wirkung:

    PräteritumPerfekt
    VerwendungSchriftlich, literarisch, in ErzählungenMündlich, im Alltag, in Dialogen
    WirkungDistanziert, erzählerischNah, gesprächsnah, persönlich
    BeispielSie öffnete das Fenster.Sie hat das Fenster geöffnet.

    Als Grundregel für den Unterricht gilt: Erzählungen, Märchen, Romane, Zeitungsartikel → Präteritum. Mündliche Berichte, Gespräche, persönliche Rückmeldungen → Perfekt.

    Ausnahme, die ausdrücklich thematisiert werden sollte: Die Verben sein, haben und alle Modalverben (können, müssen, wollen, dürfen, sollen, mögen) werden auch im mündlichen Sprachgebrauch überwiegend im Präteritum verwendet. „Das war schön.“ – nicht „Das ist schön gewesen.“


    Signalwörter für das Präteritum

    Signalwörter helfen Schülern beim Erkennen der richtigen Zeitform im Text. Typische Begleiter des Präteritums sind:

    gestern, damals, früher, vor einiger Zeit, letzte Woche, letzes Jahr, vor langer Zeit, einst, als, plötzlich, da, in jener Zeit, es war einmal

    Das bewusste Einüben dieser Wörter – etwa durch Sortierübungen oder das Unterstreichen in Lesetexten – unterstützt das Erkennen der Zeitform im Kontext.


    Das Präteritum in der Textproduktion

    Ab Klasse 3 spielt das Präteritum eine wachsende Rolle beim selbständigen Schreiben. Eigene Erzählungen, Nacherzählungen und Berichte werden im Präteritum verfasst – ein Grundsatz, der im Unterricht klar kommuniziert werden sollte, da viele Schüler instinktiv ins Präsens oder Perfekt wechseln.

    Typische Unterrichtssequenz für die Einführung:

    1. Einen kurzen Erzähltext lesen und die Zeitform der Verben bestimmen lassen
    2. Die Regel gemeinsam erarbeiten und an der Tafel sichern
    3. Verben vom Infinitiv ins Präteritum umformen – zuerst regelmäßige, dann unregelmäßige
    4. Einen vorgegebenen Text vom Präsens ins Präteritum übertragen
    5. Eine kurze eigene Geschichte im Präteritum verfassen

    Besonders Schritt 5 zeigt schnell, welche Verben noch unsicher sind – und gibt Lehrern gezielte Hinweise für den weiteren Förderbedarf.


    Differenzierung: Das Präteritum für alle Lernniveaus

    Das Thema Präteritum eignet sich gut für eine gestufte Differenzierung in heterogenen Klassen:

    • Grundlegendes Niveau: Vorgegebene Infinitive in das Präteritum setzen; ausschließlich schwache Verben; Konjugationstabellen als Stütze; Lückentexte mit Hilfestellung.
    • Mittleres Niveau: Gemischte Übungen mit schwachen und starken Verben; Sätze vom Perfekt ins Präteritum übertragen; kurze Texte auf Zeitformfehler prüfen und korrigieren.
    • Erweitertes Niveau: Eigene Erzählungen im Präteritum verfassen; bewusst zwischen Präteritum und Perfekt wechseln und den stilistischen Unterschied begründen; literarische Texte auf Zeitformen analysieren.

    Für DaZ-Schüler gilt besondere Aufmerksamkeit: Im Deutschen gibt es einen sogenannten Präteritumsschwund in süddeutschen und österreichischen Dialekten – dort wird die 1. Vergangenheit im mündlichen Sprachgebrauch kaum noch verwendet. Schüler aus diesen Sprachräumen oder mit entsprechendem sprachlichen Hintergrund benötigen gezielte Unterstützung dabei, das Präteritum als schriftsprachliche Norm zu verinnerlichen.


    Praxistipps: So gelingt das Präteritum im Unterricht

    • Mit Märchen einsteigen: „Es war einmal…“ – kein Text eignet sich besser als Einstieg ins Präteritum als ein bekanntes Märchen. Schüler kennen die Handlung, können sich voll auf die Zeitform konzentrieren.
    • Fehleranalyse produktiv nutzen: Texte mit absichtlich eingebauten falschen Präteritumformen lassen Schüler aktiv nachdenken – was ist falsch, warum, und wie lautet die richtige Form?
    • Starke Verben regelmäßig wiederholen: Eine feste Wortliste mit den wichtigsten unregelmäßigen Verben – aufgehängt im Klassenzimmer oder als Heftbeilage – hilft langfristig mehr als eine einmalige Übungseinheit.
    • Textsortenvergleich nutzen: Den gleichen Sachverhalt einmal im Präteritum und einmal im Perfekt formulieren – dieser direkte Vergleich macht den stilistischen Unterschied für Schüler greifbar.

    Mein Fazit

    Das Präteritum ist für mich das Herzstück des Grammatikunterrichts in Klasse 3 und 4. Es ist die Zeitform, die Kinder brauchen, sobald sie anfangen, richtige Geschichten zu schreiben – und genau deshalb lohnt sich jede Stunde, die ich darin investiere. Was ich über die Jahre gelernt habe: Die schwachen Verben sind kein Problem. Die starken Verben schon. Wer hier nicht regelmäßig übt und wiederholt, merkt es spätestens beim nächsten Aufsatz. Differenziertes Material, das genau diese starken Verben kleinschrittig trainiert und gleichzeitig unterschiedliche Niveaus bedient, ist für mich im Alltag unverzichtbar.

    Nina Bergmann

    Redakteur/in

    Kohls Kostprobe

    kostenloses Unterrichtsmaterial

    P11760
    P11955
    P11956
    P12163
    P12808