Artikel gehören zu den am häufigsten verwendeten Wörtern der deutschen Sprache. Gleichzeitig zählen sie zu den schwierigsten Grammatikthemen – nicht nur für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, sondern auch für Muttersprachler. Der Grund: Es gibt kaum verlässliche Regeln, welcher Artikel zu welchem Nomen gehört.
Was sind Artikel?
Artikel sind Begleiter der Nomen. Sie stehen immer vor dem Nomen und zeigen drei wichtige Eigenschaften an: das grammatische Geschlecht (Genus), die Anzahl (Numerus) und den Fall (Kasus).
Die deutsche Sprache kennt drei bestimmte Artikel: der (maskulin), die (feminin) und das (neutral). Dazu kommen die unbestimmten Artikel ein und eine. In der Grundschule hat sich der Begriff „Begleiter“ etabliert, weil er die Funktion anschaulich beschreibt – Artikel begleiten das Nomen und stehen niemals allein.
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Wann werden Artikel im Unterricht behandelt?
Die Einführung beginnt bereits in der 1. Klasse, parallel zum Kennenlernen der Nomen. Kinder lernen früh, dass zu jedem Nomen ein Begleiter gehört. Da viele Erstklässler noch nicht sicher lesen können, arbeiten Lehrer häufig mit Bildern: Die Kinder ordnen Bildern den passenden Artikel zu und verlassen sich dabei auf ihr Sprachgefühl.
Ab der 2. Klasse wird zwischen bestimmten und unbestimmten Artikeln unterschieden. Die Schüler üben, wann „der Hund“ und wann „ein Hund“ passt.
In der 3. und 4. Klasse kommt die Deklination hinzu: Die Artikel verändern sich je nach Fall. Aus „der Mann“ wird „den Mann“ im Akkusativ oder „dem Mann“ im Dativ.
| Klassenstufe | Lerninhalt |
|---|---|
| Klasse 1 | Zuordnung der bestimmten Artikel der, die, das zu Nomen |
| Klasse 2 | Unterscheidung bestimmter und unbestimmter Artikel, Singular und Plural |
| Klasse 3 | Einführung der vier Fälle, Deklination der Artikel |
| Klasse 4 | Vertiefung der Fälle, Verschmelzung von Präposition und Artikel |
Bestimmte und unbestimmte Artikel
Bestimmte Artikel werden verwendet, wenn von etwas Bekanntem oder bereits Erwähntem gesprochen wird: „Siehst du den Hund? Der Hund gehört unserem Nachbarn.“
Unbestimmte Artikel kommen zum Einsatz, wenn etwas zum ersten Mal genannt wird oder nicht näher bestimmt ist: „Dort sitzt ein Hund.“
Eine wichtige Besonderheit: Unbestimmte Artikel existieren nur im Singular. Im Plural entfällt der Artikel vollständig – aus „ein Hund“ werden schlicht „Hunde“.
Warum Artikel so schwierig sind
Im Deutschen stimmt das grammatische Geschlecht häufig nicht mit dem natürlichen Geschlecht überein. „Das Mädchen“ ist grammatisch neutral, obwohl es eine weibliche Person bezeichnet. „Die Wache“ kann ein Mann sein, „der Gast“ eine Frau.
Anders als im Englischen, wo nur „the“ als bestimmter Artikel dient, müssen im Deutschen drei verschiedene Artikel unterschieden werden. Feste Regeln, wann welcher Artikel verwendet wird, gibt es nur wenige. Endungen können Hinweise geben: Wörter auf „-ung“, „-heit“ oder „-keit“ sind meist feminin, Wörter auf „-chen“ oder „-lein“ immer neutral. Doch Ausnahmen und Sonderfälle machen das Lernen zur Geduldsprobe.
Artikel und die vier Fälle
Ab der 3. Klasse lernen Schüler, dass Artikel ihre Form je nach Fall ändern. Die Deklination betrifft sowohl bestimmte als auch unbestimmte Artikel:
Bestimmte Artikel im Singular:
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutral |
|---|---|---|---|
| Nominativ | der Mann | die Frau | das Kind |
| Genitiv | des Mannes | der Frau | des Kindes |
| Dativ | dem Mann | der Frau | dem Kind |
| Akkusativ | den Mann | die Frau | das Kind |
Im Plural lautet der bestimmte Artikel in allen Fällen „die“ – eine Erleichterung beim Lernen.
Unbestimmte Artikel:
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutral |
|---|---|---|---|
| Nominativ | ein Mann | eine Frau | ein Kind |
| Genitiv | eines Mannes | einer Frau | eines Kindes |
| Dativ | einem Mann | einer Frau | einem Kind |
| Akkusativ | einen Mann | eine Frau | ein Kind |
Verschmelzung von Präposition und Artikel
In der gesprochenen und geschriebenen Sprache verschmelzen Präpositionen häufig mit dem Artikel. Diese Formen begegnen Kindern früh im Alltag:
- an + dem = am (Wir treffen uns am Bahnhof.)
- in + dem = im (Das Buch liegt im Regal.)
- zu + dem = zum (Ich gehe zum Arzt.)
- zu + der = zur (Sie fährt zur Schule.)
- von + dem = vom (Er kommt vom Sport.)
- bei + dem = beim (Beim Spielen hatte er Spaß.)
Artikel im DaZ-Unterricht
Für Schüler mit Deutsch als Zweitsprache stellen die Artikel eine besondere Herausforderung dar. In vielen Herkunftssprachen existieren keine Artikel oder sie funktionieren völlig anders. Arabisch kennt zwar Artikel, aber keine Unterscheidung nach Geschlecht. Türkisch, Russisch und viele asiatische Sprachen kommen ganz ohne Artikel aus.
Die frühe und konsequente Arbeit mit den Genera ist deshalb entscheidend. Bewährte Methoden sind:
- Farbzuordnung: der = blau, die = rot, das = grün, Plural = gelb
- Symbole und Handzeichen: visuelle Hilfen, die fächerübergreifend eingesetzt werden
- Nomen immer mit Artikel lernen: nicht „Tisch“, sondern „der Tisch“
Diese Hilfen unterstützen das Einprägen und sollten im gesamten Unterricht konsequent verwendet werden.
Didaktische Hinweise
Die Arbeit mit Artikeln eignet sich besonders für:
- Zuordnungsübungen: Bilder oder Nomen dem richtigen Artikel zuordnen
- Lückentexte: Artikel in Sätze einsetzen
- Tabellen: Nomen nach Artikel sortieren (der-Wörter, die-Wörter, das-Wörter)
- Memory-Spiele: Nomen und Artikel als Paare finden
- Wortketten: Zusammengeschriebene Wörter trennen und Artikel zuordnen
Ab der 3. Klasse kommen Übungen zur Deklination hinzu: Sätze umformen, den richtigen Fall bestimmen, Artikel in verschiedenen Fällen einsetzen.













