Der Konjunktiv gehört zu den anspruchsvollsten Themen der deutschen Grammatik. Er ermöglicht es, über Dinge zu sprechen, die nicht real sind: Wünsche, Vorstellungen, hypothetische Situationen oder die Wiedergabe fremder Aussagen. Im Alltag begegnet uns der Konjunktiv ständig – vom höflichen „Könnten Sie mir helfen?“ bis zum journalistischen „Der Minister sagte, er sei zuversichtlich.“
Was ist der Konjunktiv?
Der Konjunktiv ist ein Modus des Verbs, also eine Aussageweise. Im Deutschen gibt es drei Modi: den Indikativ (Wirklichkeitsform), den Imperativ (Befehlsform) und den Konjunktiv (Möglichkeitsform).
Während der Indikativ reale Sachverhalte beschreibt („Er geht nach Hause“), drückt der Konjunktiv aus, dass etwas nicht der Wirklichkeit entspricht oder dass man sich von einer Aussage distanziert („Er sagte, er gehe nach Hause“). Die Bezeichnung „Möglichkeitsform“ trifft es dabei nur teilweise – der Konjunktiv kann weit mehr ausdrücken als nur Mögliches.
Es gibt zwei Formen: den Konjunktiv I und den Konjunktiv II. Beide haben unterschiedliche Funktionen und werden unterschiedlich gebildet.
Wann wird der Konjunktiv im Unterricht behandelt?
Der Konjunktiv ist ein Thema der Sekundarstufe I. Die Einführung erfolgt typischerweise in der 7. Klasse, wenn die Schüler die indirekte Rede kennenlernen. In der 8. Klasse wird das Thema vertieft und um den Konjunktiv II für irreale Bedingungen und Wünsche erweitert.
Der Konjunktiv setzt voraus, dass die Schüler bereits ein solides Verständnis der Zeitformen (Präsens, Präteritum, Perfekt) und des Satzbaus haben. Er wird häufig im Zusammenhang mit der Textsorte Inhaltsangabe behandelt, da diese die indirekte Rede erfordert.
| Klassenstufe | Lerninhalt |
|---|---|
| Klasse 7 | Einführung Konjunktiv I, indirekte Rede, Bildung und Anwendung |
| Klasse 8 | Konjunktiv II für Wünsche und irreale Bedingungen, würde-Ersatzform |
| Klasse 9/10 | Vertiefung, stilsichere Anwendung, Konjunktiv in journalistischen Texten |
Der Konjunktiv I – für die indirekte Rede
Der Konjunktiv I wird hauptsächlich verwendet, um fremde Aussagen wiederzugeben, ohne sich für deren Wahrheitsgehalt zu verbürgen. Er signalisiert: „Das hat jemand anderes gesagt – ob es stimmt, weiß ich nicht.“
Bildung: Der Konjunktiv I wird vom Infinitiv abgeleitet. An den Verbstamm werden die Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en angehängt.
| Person | Indikativ | Konjunktiv I |
|---|---|---|
| ich | gehe | gehe |
| du | gehst | gehest |
| er/sie/es | geht | gehe |
| wir | gehen | gehen |
| ihr | geht | gehet |
| sie | gehen | gehen |
Beispiel für die indirekte Rede:
Direkte Rede: Lisa sagt: „Ich fahre morgen nach Berlin.“ Indirekte Rede: Lisa sagt, sie fahre morgen nach Berlin.
Der Konjunktiv I ist besonders an der 3. Person Singular erkennbar (er/sie gehe, habe, sei). In anderen Personen stimmt er oft mit dem Indikativ überein – dann weicht man auf den Konjunktiv II aus.
Der Konjunktiv II – für Wünsche und irreale Situationen
Der Konjunktiv II drückt aus, dass etwas nicht der Wirklichkeit entspricht. Er wird auch Irrealis genannt, weil er irreale – also unwirkliche – Sachverhalte beschreibt.
Bildung: Der Konjunktiv II wird vom Präteritum abgeleitet. Bei starken Verben mit den Vokalen a, o, u wird zusätzlich ein Umlaut gebildet (kam → käme, war → wäre).
| Infinitiv | Präteritum | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| sein | war | wäre |
| haben | hatte | hätten |
| gehen | ging | ginge |
| kommen | kam | käme |
| fliegen | flog | flöge |
Die würde-Ersatzform: Bei vielen Verben klingt der echte Konjunktiv II veraltet oder ist mit dem Präteritum identisch. Dann verwendet man die Umschreibung mit würde + Infinitiv:
- „Ich flöge nach Tahiti“ → „Ich würde nach Tahiti fliegen„
- „Du fragtest“ → „Du würdest fragen„
Bei den Hilfsverben „sein“ und „haben“ sowie den Modalverben verwendet man jedoch immer die eigene Form: wäre, hätte, könnte, müsste, dürfte, sollte, wollte.
Verwendung des Konjunktivs II
Der Konjunktiv II hat mehrere wichtige Funktionen:
1. Höfliche Bitten Mit dem Konjunktiv II klingen Bitten weniger direkt und freundlicher:
- „Könnten Sie mir bitte helfen?“
- „Würden Sie das Fenster öffnen?“
- „Ich hätte gern zwei Brötchen.“
2. Wünsche und Träume Für Wünsche, die (noch) nicht erfüllt sind:
- „Ich wünschte, ich wäre am Meer.“
- „Hätte ich doch mehr Zeit!“
- „Wenn ich doch nur fliegen könnte!“
3. Irreale Bedingungen (Konditionalsätze) Für hypothetische Situationen, die nicht der Realität entsprechen:
- „Wenn ich reich wäre, würde ich ein Haus kaufen.“
- „Wenn er früher aufgestanden wäre, hätte er den Zug nicht verpasst.“
4. Irreale Vergleiche Um einen Vergleich mit etwas Unwirklichem zu ziehen:
- „Er tut so, als ob er alles wüsste.“
- „Sie sieht aus, als hätte sie nicht geschlafen.“
5. Ersatzform in der indirekten Rede Wenn Konjunktiv I und Indikativ identisch sind:
- „Sie sagen, sie gingen ins Kino.“ (statt: „sie gehen“)
Übersicht: Konjunktiv I und II im Vergleich
| Merkmal | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| Bildung | vom Infinitiv | vom Präteritum |
| Erkennungszeichen | Endung -e (er gehe) | Umlaut (wäre, hätte, käme) |
| Hauptfunktion | indirekte Rede | Wünsche, irreale Situationen |
| Beispiel | Er sagt, er sei krank. | Wenn ich Zeit hätte, … |
Die wichtigsten Konjunktivformen auf einen Blick
| Infinitiv | Konjunktiv I (3. Pers. Sg.) | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| sein | er/sie sei | er/sie wäre |
| haben | er/sie habe | er/sie hätte |
| werden | er/sie werde | er/sie würde |
| können | er/sie könne | er/sie könnte |
| müssen | er/sie müsse | er/sie müsste |
| dürfen | er/sie dürfe | er/sie dürfte |
| wollen | er/sie wolle | er/sie wollte |
| sollen | er/sie solle | er/sie sollte |
| gehen | er/sie gehe | er/sie ginge |
| kommen | er/sie komme | er/sie käme |
| geben | er/sie gebe | er/sie gäbe |
| wissen | er/sie wisse | er/sie wüsste |
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Unterrichtsvorbereitung ganz einfach!
Typische Fehler und wie man sie vermeidet
Fehler 1: Konjunktiv I und Indikativ verwechseln Wenn beide Formen gleich aussehen, muss der Konjunktiv II einspringen:
- Falsch: „Sie sagen, sie gehen ins Kino.“ (= Indikativ)
- Richtig: „Sie sagen, sie gingen ins Kino.“ (= Konjunktiv II)
Fehler 2: würde im wenn-Satz In Bedingungssätzen sollte „würde“ nicht im Nebensatz stehen:
- Stilistisch schwach: „Wenn ich mehr Geld haben würde, …“
- Besser: „Wenn ich mehr Geld hätte, …“
Fehler 3: Zu viele würde-Formen In einem Satz sollte „würde“ möglichst nur einmal vorkommen:
- Schwerfällig: „Wenn ich Zeit haben würde, würde ich kommen.“
- Besser: „Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen.“
Didaktische Hinweise
Die Arbeit mit dem Konjunktiv eignet sich besonders für:
- Umformungsübungen: Direkte Rede in indirekte Rede umwandeln
- Lückentexte: Die richtige Konjunktivform einsetzen
- Wunschsätze schreiben: Kreative Übungen zu irrealen Wünschen
- Zeitungsartikel analysieren: Konjunktive in journalistischen Texten finden
- Höflichkeitsübungen: Bitten und Aufforderungen umformulieren
- Konditionalsätze bilden: „Was wäre, wenn …?“-Szenarien entwickeln
Der Konjunktiv I lässt sich gut anhand von Inhaltsangaben und Berichten üben, der Konjunktiv II über Wunschszenarien und hypothetische Situationen.















