Relativpronomen – auch bezügliche Fürwörter genannt – leiten Relativsätze ein und verbinden so einen Nebensatz mit einem Hauptsatz. Sie beziehen sich dabei immer auf ein Nomen im Hauptsatz, das sogenannte Bezugswort, und liefern zusätzliche Informationen dazu. Ein einfaches Beispiel: „Das ist der Lehrer, der uns Mathe erklärt.“ – hier leitet „der“ den Relativsatz ein und bezieht sich auf „der Lehrer“.
Im Lehrplan werden Relativpronomen und Relativsätze typischerweise ab Klasse 5 bis 6 eingeführt. Das Thema verbindet Wortarten-Wissen mit Satzbau-Kompetenz und ist daher besonders anspruchsvoll: Schüler müssen gleichzeitig das richtige Relativpronomen bestimmen, es korrekt deklinieren und das Verb im Nebensatz ans Ende stellen. Für Lehrkräfte bietet sich hier die Chance, Grammatik und Schreibkompetenz sinnvoll zu verknüpfen.
Die Relativpronomen im Deutschen
Im Deutschen gibt es zwei Gruppen von Relativpronomen:
- der, die, das – die häufigsten Relativpronomen. Sie werden in der Alltags- und Schriftsprache gleichermaßen verwendet.
- welcher, welche, welches – eine stilistische Alternative, die vor allem in der Schriftsprache eingesetzt wird, um Wortwiederholungen zu vermeiden (z.B. „die Frau, welche…“ statt „die Frau, die…„).
Zusätzlich können „was“ und „wo“ als Relativpronomen fungieren – „was“ nach Indefinitpronomen wie „alles“, „etwas“, „nichts“ oder nach substantivierten Superlativen („Das Schönste, was ich je gesehen habe„), und „wo“ bei Ortsangaben.
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Lerneinheiten Grammatik / Band 2: Adjektive, Pronomen, Präpositionen und Satzarten – P13063
Deklination der Relativpronomen
Relativpronomen übernehmen Genus und Numerus vom Bezugswort im Hauptsatz. Den Kasus erhalten sie jedoch aus ihrer Funktion im Nebensatz. Die Deklination von „der, die, das“ als Relativpronomen entspricht fast vollständig dem bestimmten Artikel – mit Abweichungen im Genitiv und im Dativ Plural:
| Kasus | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der | die | das | die |
| Genitiv | dessen | deren | dessen | deren |
| Dativ | dem | der | dem | denen |
| Akkusativ | den | die | das | die |
Wichtig: Die Formen „dessen“, „deren“ und „denen“ unterscheiden sich vom bestimmten Artikel und müssen gezielt geübt werden. „Welcher/welche/welches“ wird wie der bestimmte Artikel dekliniert, hat aber keine Genitivform – hier muss immer auf „dessen/deren“ ausgewichen werden.
Die zwei Grundregeln für Relativsätze
Für das korrekte Bilden von Relativsätzen müssen Schüler zwei Regeln gleichzeitig anwenden:
- Genus und Numerus kommen vom Bezugswort im Hauptsatz: Ist das Bezugswort maskulin Singular, muss auch das Relativpronomen maskulin Singular sein.
- Der Kasus ergibt sich aus der Funktion im Nebensatz: Ist das Relativpronomen im Nebensatz das Subjekt, steht es im Nominativ. Ist es ein Objekt, steht es im Akkusativ oder Dativ.
Beispiel Schritt für Schritt:
Hauptsatz: „Das ist der Schüler.“ → Bezugswort = „der Schüler“ = maskulin, Singular
Nebensatz-Information: „Ich habe ihm geholfen.“ → Funktion = Dativ
Relativsatz: „Das ist der Schüler, dem ich geholfen habe.„
„das“ oder „dass“? – Der häufigste Fehler
Die Verwechslung von „das“ (Relativpronomen) und „dass“ (Konjunktion) gehört zu den häufigsten Rechtschreibfehlern im Deutschunterricht. Eine einfache Ersatzprobe hilft:
Lässt sich „das“ durch „dieses“, „jenes“ oder „welches“ ersetzen, handelt es sich um ein Relativpronomen und wird mit einem s geschrieben. Funktioniert die Ersetzung nicht, handelt es sich um die Konjunktion „dass“ mit doppeltem s.
- „Das Buch, das ich lese, ist spannend.“ → „Das Buch, welches ich lese…“ ✓ → das
- „Ich weiß, dass du recht hast.“ → „Ich weiß, welches du recht hast…“ ✗ → dass
Typische Schwierigkeiten im Unterricht
- Kasus im Nebensatz bestimmen: Schüler übernehmen häufig den Kasus des Bezugsworts aus dem Hauptsatz, statt ihn aus der Funktion im Nebensatz abzuleiten.
- Genitivformen „dessen“ und „deren“: Diese Formen sind ungewohnt und werden oft durch falsche Konstruktionen umgangen.
- Verbstellung: Im Relativsatz steht das konjugierte Verb am Ende – das vergessen Schüler regelmäßig, besonders bei längeren Sätzen.
- Kommasetzung: Relativsätze werden immer durch Kommas abgetrennt. Besonders bei eingeschobenen Relativsätzen fehlt häufig das schließende Komma.
Didaktische Tipps für den Unterricht
Zwei Sätze zu einem verbinden
Der klassische und bewährteste Einstieg: Geben Sie Schülern Satzpaare, die sie zu einem Satz mit Relativsatz verbinden: „Das ist ein Buch. Ich habe es gestern gelesen.“ → „Das ist ein Buch, das ich gestern gelesen habe.“ Durch das systematische Zusammenfügen wird das Prinzip des Relativsatzes schrittweise verständlich.
Die Ersatzprobe für „das/dass“ einüben
Führen Sie die Ersatzprobe mit „welches“ als feste Routine ein. Lassen Sie Schüler in eigenen und fremden Texten jedes „das“ und „dass“ überprüfen – diese Übung verbindet Grammatik- und Rechtschreibkompetenz und wirkt sich direkt auf die Textqualität aus.
Differenzierung
Leistungsschwächere Schüler üben zunächst nur Relativpronomen im Nominativ und Akkusativ. Leistungsstärkere Schüler können Relativsätze im Genitiv bilden und mit Präpositionen vor dem Relativpronomen arbeiten („Der Freund, mit dem ich gespielt habe…„). Kopiervorlagen mit gestuften Aufgaben ermöglichen eine zeitsparende Binnendifferenzierung.















